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Mittwoch, 22. Februar 2012

FUSETAKE- YUMI

Warum baue ich mir einen Yumi/ englischen Langbogen Hybriden? 

Das ist eine längere Geschichte. Eigentlich wollte ich nur verschiedene Materialien und Werkzeuge für unsere neue Abteilung "Bogenbau" testen. Und außerdem wollte ich meine Bogenbauer Kenntnisse auffrischen um unsere Kundenfragen kompetent beantworten zu können. Beim Bogenbau Seminar von Konrad Vögele hatte ich wohl viel gelernt, aber das liegt schon wieder einige Jahre zurück. Ich wollte jetzt nicht irgend einen Bogen bauen, sondern gleich etwas außergewöhnliches. Also machte ich mich zunächst über unsere Literatur her. Bei Dean Torges (Hunting the osage bow) bin ich schließlich hängen geblieben. Hinter diesem Titel hatte ich eigentlich etwas anderes erwartet. Sein Konzept hat mich sofort angesprochen. Es war alles so stimmig, einfach und äußerst effizient. Er baut wunderschöne amerikanische Langbögen mit Bambusbacking- das ist es!
An diesem Projekt konnte ich jetzt alles austesten und bekam als Nebenprodukt einen leistungsfähigen, strapaziefähigen Bogen heraus. Ich glaube sowieso, es ist einfacher einen bambusbelegten Bogen zu bauen als einen Selfbow. Vor allem bricht er nicht so schnell!

Als überzeugter Minimalist hatte ich bald ein Konzept ausgearbeitet, das auch für den Laien relativ schnell umzusetzen war. Etwas Holz aus dem Bauhaus, eine Japansäge und ratzfatz hat man sich Abstandhalter und Schraubzwingen aus Holz gebastelt. Hier fängt der Spaß doch schon an, frei nach Konfuzius:

                                                                  "Der Weg ist das Ziel".

Das mit den Schraubzwingen aus Holz spart eine Menge Geld, wir benötigen schließlich mehr als 20 davon. Eine in kleine Stücke zerlegt Dachlatte und Schrauben mit Flügelmuttern erfüllen den gleichen Zweck wie gekaufte. Die Abstandhalter für die flexible Bogenform sind auch schnell gemacht. Eine Wärmebox ist nicht unbedingt erforderlich, ein warmer Boilerraum tut es auch. Sehr hilfreich ist, dass es zu dem Buch auch eine DVD gibt, das macht das Lernen wesentlich einfacher. Ich weiß nicht wie oft ich mir diese DVD angeschaut habe. So testete ich die verschiedenste Materialien und Werkzeuge wie: Bogenhölzer, Bambus, Horn, Knochen, Kleber, Raspeln, Feilen, Sägen, Hobel und Schaber. Schnell hatte ich „meine Tools" zusammen. Eine günstige Quelle für Bogenholz und Bambusbacking hatte ich auch bald. Mir war es wichtig, das ganze einfach zu halten. Es ist lange nicht so schwierig ein geignetes Bogenholz für diesen Bogentyp zu finden als für einen Selfbow. Ich muß nicht auf den Verlauf der Jahresringe achten. Beim Selfbow muß ich dem Jahresring folgen!


Der erste Anlauf brachte auch gleich Erfolg und ich wusste bald, welche Materialien ich empfehlen kann. Mein erster selbstgebauter bamboo backed osage bow hatte wohl  60 Pfund, war aber vom Tiller her perfekt. Eigentlich wollte ich einen Bogen mit einem Zuggewicht zwischen 45 und 50 Pfund, aber ich wollte einfach kein Risiko mehr eingehen und ihn zum Schluß noch ruinieren. Schon bein Einschießen habe ich mich in diesen Bogen verliebt. Er hatte alles was einen guten Bogen ausmacht: Schönes Design, Speed, Balance, null Handschock und leise wie eine Maus. Auf jeden Fall schoß ich mit diesem Longbow jetzt über den Handrücken besser als mit dem American Flatbow und dem Traditional Recurve über das Shelf!
So kam eins zum anderen.


Und jetzt kommt auch endlich die Antwort auf die Frage, warum einen Yumi, oder sagen wir besser "Semi-Yumi":


Ich wollte jetzt natürlich unbedingt bei diesem Bogen mit Bambusbacking bleiben und bei Turnieren in der entsprechenden Klasse schießen. Da ich vom Handrücken aus schieße, war das bei den Englisch Longbows. Jetzt passte sich die Irish Field Archery Federation aber der IFAA an und führte eine Historical Bow Klasse ein. Um dort aber teilnehmen zu können, muß der Bogen einem historischen Vorbild entsprechen. Aber einen American Longbow mit Bambusbacking gab es scheinbar noch nicht vor dem 19. Jahrhundert. Die Engländer bauten damals wohl laminierte Langbögen, aber nicht mit Bambusbacking. Aber was ist mit den Chinesen und Japanern mit ihren Bambusbögen?


Da ich schon immer ein Freund fernöstlicher Kultur und Kampfkunst war, hatte ich mir schon vor langer Zeit ein Buch über Kyudo gekauft. Die Kunst des Bogenschießens stand bei den Samurai an erster Stelle und beinhaltete wesentliche Elemente der Zen- Meditation. Das Buch habe ich damals aber wieder zur Seite gelegt, weil mir die zeremonielle Art des Schießens nicht zusagte. Einfach zuviel Disziplin und Etikette anstatt Spaß. Unter dem Aspekt historische Bögen las es sich jetzt aber viel spannender und ich wurde auch bald fündig. Bereits in der Antike, bauten die Japaner den Fusetake-Yumi mit Bambusbacking. Das war nicht vor 100 Jahren, das war vor über 1000 Jahren!
Es hätte mich aber auch wirklich gewundert, wenn diese uralte Bogenkultur nicht einen handlicheren Bogen als den überlangen Yumi zustandegbracht hätte. Endlich hatte ich ein historisches Vorbild für meinen Langbogen mit Bambusbacking gefunden. Im Buch "Reflexbogen" habe ich das noch bestätigt bekommen.

"

Den japanischen Langbogen aus Vollholz gab es schon in der prähistorischen Zeit, die Form dieses Maruki-Yumi wurde von den Japanern beibehalten, ab dem 9.Jahrhundert a.d. allerdings in der Kompositbauweise der Chinesen gebaut, den Fusetake-Yumi mit Bambusbacking eben. Die typische Asymmetrie, wie der Kyudo- Yumi sie aufweist, hatten diese Bögen noch nicht. Der Vollholz Maruki hatte anfangs das Griffstück sogar in der Mitte, wie die Bögen aus Malaysia. Es gibt da viele Spekulationen darüber, warum sie diese Yumi zunehmend asymmetrisch gebaut haben. Für mich macht eine Theorie am meisten Sinn: Der untere Wurfarm ist kürzer als der obere, weil man im Knien oder vom Pferd aus ungehindert schießen kann. Als zweites glaube ich, dass diese Bauart bogen-physikalische Vorteile bringt. Der Bogen ist besser ausbalanciert, schneller und ruhiger bei geringem Handschock. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die Schockwelle in der Mitte des Bogens trifft, deshalb der Griff im unteren Drittel!
Natürlich kann der Ursprung des längeren Yumi auch darin liegen, dass diese großen Bögen auf dem Schlachtfeld, optisch und psychologisch, mehr hergegeben haben. Auf  andere Theorien kann ich hier nicht weiter eingehen. Auf jeden Fall waren die Bögen nicht immer 2 bis 2,40 Meter lang. Man spricht von "um die 2 Meter" oder sogar nur mannshoch, in dieser Periode. Das kam wohl darauf an, für welchen Zweck er benutzt wurde. Für die Jagd macht die kürzere Version Sinn, für das Schlachtfeld oder die Zeremonie wiederum der lange Bogen.
Da beim Feldbogensport die Jagd simuliert wird, habe ich die kürzere Variante gewählt. Eine dezente Asymmetrie bei einer Länge von etwa 74“ war ein guter Kompromiss.

Wie baue ich einen Yumi?
Als Bogenholz habe ich heimische Hölzer wie Walnuss, Kirsche, Eiche, aber auch Osage Orange, Ipe (pau para arcos) und Massaranduba probiert. Diese Hölzer konnte ich zum damaligen Zeitpunkt problemlos und günstig bekommen. Die beiden letzeren haben am besten abgeschnitten. Mir kam es in erster Linie darauf an, mit geringstem Aufwand einen brauchbaren Bogen bauen zu können. Bambusbacking und Bogenhölzer hatten Standardmaße und passten in der Breite wunderbar zusammen. Den Bogenbau als solches fasse ich kurz zusammen:


1. Flexible Bogenform oder einfach nur Abstandhalter aus Holz bauen.
2. Bogen Design bestimmen und auf das Bambusbacking übertragen.
3. Bambusbacking aussägen und tapern
4. Bogenholz am der Bauchseite verjüngen und beide Klebeflächen mit dem Zahnhobel bearbeiten.
5. Bogenholz und Backing in der flexiblen Bogenform im gewünschten Reflex mit Titebond 3 oder URAC    verleimen.

6. Nach dem Austrocknen am Backing entlang aussägen.
7. Bogenholz mit Raspel, Schweifhobel und Zieklinge in Form bringen.
8. Mit Tillersehne tillern und dann Horn Nocken (Hartholz, Knochen etc.) mit 2 Komponenten aufkleben.
9. Nocken ausarbeiten, Bogen aufspannen und Feintillern.
10. Einschießen und Finish mit Tung Oil oder Plastic Coat, Griffwicklung anbringen (Rattan, Leder) fertig!



Als Sehnenmaterial verwende ich Dacron B55 mit 14 Strängen. Anstatt mit einem offenen Ende, mache ich die Sehnen stehts mit Doppelöhr im flämischen Stil. Moderne Sehnenmaterialien neigen beim Timber Hitch zum kriechen.

Wie schieße ich den Yumi?

Als reiner Instinktiv Schütze schieße ich den Yumi wie jeden anderen traditionellen Bogen. Mediterranes Release, Anker im Mundwinkel, leicht verkantet über den Handrücken. Ich lege den Pfeil als Rechtshandschütze links an und verwende auch einen ganz normalen Schießhandschuh. Einen Unterschied gibt es allerdings: Der Nockpunkt auf der Sehne ist etwas weiter unterhalb als gewöhnlich angebracht. Wer schon einmal einen Kyudo Schützen von der Seite her betrachtet hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass der obere Wurfarm etwas Richtung Ziel geneigt ist, während der untere zwangsläufig Richtung Schütze zeigt. Das ergibt eine ergonomische Griffposition und kommt dem Deutschuß entgegen. Es fühlt sich nicht nur besser an, es macht auch bogen-physikalisch Sinn. Der kurze, untere Wurfarm wird so entlastet, während der längere, obere Wurfarm etwas mehr Stress bekommt. Bevor ich das herausgefunden habe, hatte ich ab und zu Stauchrisse im unteren Wurfarm.


Mit welchen Pfeilen ich schieße?

Was den Pfeil betrifft, so bin ich mit meinen Zederholzpfeilen bisher sehr gut gefahren. Allerdings mit einem Nocktaper von 11/32 auf 5/16. Mein Pfeil ist gerademal 27" lang bei einem Spinewert zwischen 45+50 lbs. Wie man der Pfeillänge entnehmen kann, ziehe ich nicht bis zum Ohr aus, wie die englischen Langbogen- oder die japanischen Kyudo Schützen. Der Pfeil wiegt etwa 450 Grain mit einer 100 Grain 3D-Spitze. Das ergibt für mich einen FOC von 11%. Eine 4" Saubuckel Befiederung reicht mir vollkommen aus. Der Pfeil fliegt wie an der Schnur gezogen, ohne dass ich das geringste am Handrücken meiner Bogenhand spüre. Wenn der Pfeil die Bogenhand streift, sollte ich mir nicht einen extra Handschuh kaufen, sondern einfach den Spinewert oder den Nockpunkt checken, oder gleich die Sache mit dem getaperten Schaft probieren.

Ich stecke ja immernoch in der Experimentierphase und teste auch Bambuspfeile. Hier bin ich allerdings noch nicht zu einem Ergebnis gekommen. Es ist hier schwierig ein passendes Set zusammenzustellen.

Wenn die Fusetake-Yumi den Dauertest bestehen, übernehme ich sie vielleicht einmal in unser Langbogen Programm.

Bis dahin wünsche ich meinen Amateur- Bogenbauern viel Spaß beim experimentieren, auf dass es bald eine große Yumi Gemeinde bei den Feldbogensportlern gibt!

Good shoot!
Harald Höllrigl

2 Kommentare:

  1. Was für ein toller Blog !

    LG ~°schuenga°~

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  2. Hallo, Ihr Hybrid Yumi/Langbogen ist wirklich sehr interessant. Wie viel hat das Stueck Fusetakei gekostet?

    Danke im Voraus

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